In meinem Mund wächst ein Ungetüm. Heute morgen bin ich aufgewacht, da pochte es an meiner linken Wange. Aber meine Finger haben nichts gefühlt. Also, warm war es, aber sonst nichts. Meine Zunge aber schon. Ein harter Knubbel. Mein Gesicht faltet sich zusammen, mein Magen auch. Im Bad habe ich aber nicht viel gesehen. Fühlt sich wahrscheinlich größer an als es ist, ist ja bei Pickeln oft so. Ich hatte lange keinen Pickel mehr. Jetzt ist es Mittag, ich treffe mich mit Anton zu Kaffee und Donut. Das Ding wird größer. Gleich bin ich da. Lächeln, nichts anmerken lassen.
Heißer Kaffee, na ob das die richtige Idee ist. Es pocht nicht mehr, es hat einen Herzschlag. Es sticht scharf in meine Nase rein. Vorsichtig mit der Zunge fühlen, ja ich habe hartnäckigen Donut zwischen den Zähnen, wieso? Es ist nicht nur hart, es ist gefüllt. Wie der Donut. Anton ist leider super witzig. Wenn ich lache, schaben meine Backenzähne an der Pocke, aufpassen. Der Kaffee schwappt daran entlang. Ich brauche Wasser. Ja ich bin heute nicht so gesprächig. Nur müde, sonst ist alles okay. Guckt die Kellnerin? Sieht man was von außen? Bitte nicht. Sie tippt auf ihrem Handy rum, lange Nägel. Ich muss kurz ins Bad okay? Oh sorry Entschuldigung, Hallo. Augen zu und durch. Mein Atem stinkt nach Kaffee. Ich starre in mein Mundloch. Da ist es, es schimmert in drei Farben, rosa, rot, weiß lackiert. Auf Hochspannung. Es tut jetzt richtig weh. Ein tiefsitzender dumpfer Herzschlag. Soll ich das ausdrücken? Meine Finger sind kalt und krallen sich ans Waschbecken. Eine Spülung, eine Klinke, Mund zu. Hi. Ich wasche mir die Hände und gehe zurück zu Anton. Die Zähne gehen schon gar nicht mehr richtig aufeinander, das Ding ist im Weg. Mir steigen Tränen in die Augen, aber nur ein bisschen.
Anton redet über seine Oma. Sie ist krank. Ich konzentriere mich, das ist wichtig. Die Fleischbeule bebt. Anton senkt seinen Blick und schiebt die Krümel auf dem Teller herum. Ich presse meine Zunge gegen das Biest, um es zu beruhigen. Ich nicke stumm und beobachte die Krümel. Aua! Es sticht und brennt so dolle, was passiert? Salzig heiß, bitter schleimig breitet sich aus. Ich starre auf die gläserne Vase. Sie ist kalt und hat scharfe Kanten, Riffelmuster. Es ist frisches Wasser darin, eine Schnittblume. Ich atme durch die Nase. Anton sieht mich fragend an. Ich schlucke.
Kaffee hinterher. Bitter und salzig. Ich bin frei. Gut, dass du da warst, sie hat sich bestimmt gefreut. Sie ist doch auf einem guten Weg, bestimmt bald wieder fit.




Das ist jetzt schon die zweite deiner Kurzgeschichten, die mich absolut vom Hocker haut… immer mehr davon bitte!! :))
Ich schmecke die Geschichte, AUA! Liebe die Perspektive aus der du schreibst